
In der Einleitung gibt sich die Autorin so ein bisschen "esoterisch", christliche Sprüche, Ganzheitlichkeit von Ernährung und Leben usw. Da dachte ich noch, ich habe hier wirklich ein engagiertes Werk vor mir liegen, das anders ist und dennoch eine empfindsame Saite in uns berührt, so wie Emma Graf, Eduart A. Brecht und Annegret Bohmert dies tun, bei denen die Geisteshaltung sich bis in die Rezepte zieht.
Unter diesem Blickwinkel sind auch noch die "Grundlagen der Vollwerternährung" interessant.
Optisch ist das Buch hübsch gemacht, die Rezeptseiten sind mit gezeichneten Ornamenten und Seitenzahlen versehen, das Papier ist glänzend und dick. Es gibt auch ein paar Farbfotos, die mir deshalb gefallen, weil sie nicht allzu sehr gestylt sind, sondern echte Lebensmittel darstellen.
Diese Aspekte sind positiv.
Verzweifelt habe ich nach einem Inhaltsverzeichnis gesucht, es ist nicht vorne, nicht hinten..... sondern schließlich fand ich es: vor dem alphabetischen Rezeptverzeichnis. Das stört. Und es ist schade, denn das Verzeichnis ist hübsch gemacht, da es die einzelnen Rubriken mit kleinen Zeichnungen symbolisiert. Allerdings ist es daher auch nur für die Rezepte sinnvoll.
Die Rezepte an sich sind eher langweilig. Wer noch nie mit Vollwerternährung zu tun gehabt hat, mag das aufschlussreich und hilfreich finden. Wer sich jedoch schon länger dieser Ernährungsform zugewandt hat, blättert hilflos und sucht etwas "Neues". So wie z.B. Emma Graf oder auch Eduart A. Brecht ihre Anschauung gekonnt in Rezepte umgesetzt haben. Oder die genialen Rezeptsammlungen von Ilse Gutjahr, wo ich bei jeder Lektüre wieder Neues entdecken kann.
Etwas stört auch die Verwendung von Cenofix, angeblich einer Gewürzmischung aus dem Reformhaus. Ich habe sie noch nie gesehen. Leider wird auch nicht erklärt, um was für eine Gewürzmischung es sich handelt, sodass ich sie nicht durch etwas Adäquates ersetzen kann.
Was das Buch für mich im Grunde völlig unbrauchbar macht, sind die Zutaten. Okay, dass Rohrohrzucker und Rohrzucker genauso Industriezucker sind wie der übliche Haushaltszucker hat sich leider bei vielen Vollwertlern noch nicht herumgesprochen. Jedoch finde ich die Verwendung von Limo (= Limonade = zuckergesüßtes Panschgetränk) oder Vanillepuddingpulver schon sehr befremdlich. Endgültig zugeklappt habe ich das Buch, als ich auf "Gelatine" stieß. Gelatine ist nicht nur ein industrieverarbeitetes Produkt, wie es in der Vollwertkost (s. hierzu Werke von Bruker und Gutjahr) vermieden werden soll -- es wird aus Tierabfällen mit Methoden hergestellt, die jedem, der sich mit vollwertiger Lebensweise identifiziert, das Schaudern den Rücken hochkriechen lassen.
So lautet denn mein Urteil mit Shakespeare: Viel Lärm um Nichts