
Dies ist ein schönes Buch. Nicht in dem modernen Sinne, dass es auf jeder Seite große Vierfarbfotos mit ausgefallenen Blickwinkeln enthält, sondern dass es einfach schön konsequent durchgestylt und mit Liebe zum Brotbacken entwickelt wurde. Wenn ich das Buch durchblättere, habe ich wirklich das Gefühl, Frau Huber ist von einer Bäuerin zur anderen gegangen und hat Rezepte gesammelt - sie ist sehr engagiert bei der Sache.
Die Rezepte sind nach Getreide und Gebäckart sortiert, sehr klar aufgebaut. Häufig gibt es Schwarzweißfotos, außerdem einige Seiten mit hochglänzenden Farbfotos. Die Seiten sind liebevoll gestaltet, Rezeptreihen wechseln sich mit Berichten über Bauernfamilien und ihre Backöfen ab, dazu noch einige Erfahrungsberichte.
Die Rezepte selbst sind optisch und inhaltlich übersichtlich, die Anleitungen klar. Außerdem bieten sie viel Abwechslung, es wird also nicht ein Grundrezept auf 85 verschiedene Weisen durchgenudelt, wie das heute so modern ist, um die Rezeptzahl nach mehr aussehen zu lassen.
Mein erster Eindruck war also Begeisterung.
Bei der Lektüre der Rezepte wurde ich dann an einer Stelle stutzig. Auf 500 g Getreide sollte ein ganzer Liter Wasser kommen, obwohl auch noch Butter im Rezept war. Damit kann ich vielleicht Brei kochen, aber kein Brot backen! Ich vermutete einen Tippfehler, kann ja mal vorkommen.
Dann habe ich mir ein Rezept für Leinsamenbrötchen rausgesucht. 250 ml kochendes Wasser wird auf 100 g Leinsamen gegossen, damit der quillt. Dazu kommen 800 g Mehl und 50 g Sauerteig - aber keine weitere Flüssigkeit! Und das wird dann auch noch als weicher Teig beschrieben. Das geht einfach nicht. Ich habe letztendlich mehr als die doppelte Menge Flüssigkeit gebraucht!
Die Autorin gibt seit Jahren Backkurse. Selbst wenn sie also die Rezepte von Bäuerinnen übernommen hat, ohne sie zur Probe nachzubacken - das muss ihr doch genau wie mir beim Lesen auffallen! Ja mehr noch als mir, denn sie backt offensichtlich schon seit Jahrzehnten.
Außerdem enthalten manche Rezepte für Anfänger völlig unzureichende Angaben. In dem erwähnten Brötchenrezept steht einfach "Salz". Nun entscheidet ja gerade die Salzmenge, ob wir Brot und Brötchen mit Genuss verzehren oder daran würgen, weil es versalzen ist.
Insgesamt ein wunderschönes Buch, das ich nicht mehr missen möchte. Für Brotbackfortgeschrittene eine Bereichung, für Brot- und Getreideliebhaber auch. Für Anfänger und Ungeübte ist die Rezeptsammlung leider nicht hieb- und stichfest genug.