
Brot ist ein Thema, das tief sitzende Instinkte wach rüttelt und häufig mit sehr viel Innigkeit verbunden ist, zumindest wenn wir etwas tiefer in unserer eigenen Geschichte graben. Wie aktuell ist das Thema Brot heute noch? Ich war sehr gespannt auf das lange angekündigte Buch mit dem Titel "Brot und Butter" aus einem Kunstverlag. Was ich bekam, war enttäuschend. Wer immer hier am Thema "Brot" mitgearbeitet hat, ob Designer, Fotograf, Layouter, Texter, hat Brot abstrakt als Thema genommen, ohne wirklich das Thema zu "ehren" - wie es sich "gehört". Ich beschränkte mich bei meiner Begründung auf drei Beispiele:
(1) Die Schrift. Jeder Grafiker lernt schon in den ersten Semestern, welche Schriften Schmuckschriften sind, welche sich für Überschriften eignen und welche für Fließtext (das ist der "Körper" eines Textes). Einen Fließtext quasi in einer unvariablen Schreibmaschinenschrift zu setzen, ist eine Beleidigung für das lesende Auge.
(2) Die Fotos. Es fällt mir auf, dass es "modern" zu sein scheint, Fotos mit krassen Unschärfen zu präsentieren. Das ist hier zum Exzess getrieben, sodass ich ohne Übertreibung bei manchen Fotos fast Kopfschmerzen bekomme, weil mein Auge verzweifelt nach wenigstens "einer Schärfe" sucht. Das mag für ein Buch über eine Sommerwiese vielleicht akzeptabel sein, ein "porenscharfes", "knuspriges" Thema wie das Brot bedarf einer entsprechenden Abbildung.
(3) Die Rezepte. Wer Rezepte veröffentlicht, sollte sie selbst ausprobiert haben. Dies ist in diesem Fall ebenfalls nicht passiert. Konkret: Wer schon jemals Knäckebrot gebacken hat weiß, dass 500 g Mehl mit 500 ml Wasser vermengt auch nach einer Stunde quellen lassen mit Sesam und Leinsamen niemals ausgerollt, allenfalls ausgestrichen werden können. Auch die anderen Rezepte lassen erkennen, dass hier Rezepte "gesammelt", aber nicht erarbeitet wurden. Traurig auch die Distanz zum Teig: Stets wird der Teig mit Knethaken oder anderen Geräten verarbeitet. So wird uns Lesern gänzlich das sinnliche Erleben eines Brotteigs verwehrt.
Es geht auch besser: Das ebenfalls neue Buch von Ströck und Ehrmann "Brot Backen" verbindet echtes Brot mit ästhetischer Vorstellung. Eine vertane Chance!