
Wer noch nie etwas von Lebensmittelskandalen, den finsteren Finanzkräften im Hintergrund der Nahrungsmittelindustrie gehört hat, wird beim Lesen dieses Buches den Mund vor Erstaunen offen klappen lassen. Dazu ist das Buch unterhaltsam geschrieben und es liest sich leicht.
Misstrauisch wurde ich, als ich auf dem Klappentext las, dass Frau Goris 2004 einen Preis von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) erhalten hat. Die DGE bzw. ihre Vertreter sind häufig nur ein Sprachrohr der Nahrungsmittelindustrie (siehe hier z.B. Bücher von Bruker und Grimm). Auch der Karriereweg von Greenpeace zur Bildzeitung lässt nicht gerade auf hohe Kritikfähigkeit schließen.
Da ist Frau Goris wohl so etwas wie eine "Anstandsmeckertante". Sie beklagt, was Informierte eh schon wissen (schreckliche Zustände bei der Tiermast, Zusätze in Nahrungsmitteln usw.). Sie ist der Biobewegung gegenüber nahezu unkritisch und schreibt doch wirklich "Wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin". Da fand ich die Schlüsselfrage von Grimm "Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher denn die ganzen Bio-Eier in den Supermärkten kommen?" wesentlich aufschlussreicher. Auch "gesundes Essen" definiert sie sehr herkömmlich. Sie kratzt nicht einen Skandal wirklich an. Es gibt bereits ein Buch mit dem Titel "Unser kläglich Brot" von Harald Schäfer, der wirklich in die Details gegangen ist und alles reichlich mit Bild- und Schriftmaterial belegt hat - vor mehr als 20 Jahren. In diesem Werk von 2007 ist kein einziger Beleg wiedergegeben, keine Regierungsstelle wird kritisiert.
Für den nahrungsmäßigen Neuling fasst das Buch vermutlich einiges Interessantes zusammen und der Stil ist auch sehr lesbar . Zusammenfassend lässt sich sagen: Frau Goris darf an der Leine bellen. Das tut sie dann auch. Und macht dabei brav Männchen.