
Sehr kritisch setzt sich Herbert Schäfer mit der Lebensmittelproduktion auseinander. Er kritisiert dabei nicht nur die Produzenten, sondern auch Regierungsstellen und andere "Gesundheitswächter der Nation". Wenige Jahre nach Tschernobyl geschrieben, schauderte es mir, als ich las, was da so alles unter den Teppich des Verbergens gekehrt wurde.
Schäfer belegt seine Aussagen reichlich mit Bildern und Texten. Manchmal ist das Lesen etwas ermüdend, weil er wirklich in die Details geht. Das ist kein Manko, eher die Folge unserer modernen Leseeinstellung, dass wir ja nur noch Überschriften und plakativen Text lesen wollen.
Dabei ist das Buch auch lesbar geschrieben, mit einer Prise Galgenhumor.
Die Originalausgabe ist von 1987. Wenn wir jetzt hochrechnen, wie wir 20 Jahre später immer noch, und vermutlich noch viel mehr belogen und betrogen werden (siehe die traurige Entwicklung des Biogedankens, die neue EU-Bio-Regelung, Genmanipulation von Pflanzen usw.), kriecht die Nahrungsmittel-Gänsehaut einem wirklich über die Schultern.
Wie gut dieser Lebensmittelreport wirklich ist, habe ich festgestellt, als ich dann das gleichnamige Werk von Eva Goris (2007) in der Hand hielt: dort finden wir nur glattes Plätschern, kein wirkliches Eindringen in die Tiefe. Schäfers Buch ist das detaillierteste kritische Werk zur Nahrungsmittelindustrie und ihrem Umfeld, das ich bis jetzt gelesen habe.
Ein "Muss" für jeden, der nicht mit glattem Geschreibsel abgespeist werden, sondern mit offenen Augen durch die Essenswelt gehen möchte