Wieder einmal musste ich die traurige Erfahrung machen,
dass Autoren Rezeptbücher verfassen, ohne wohl selbst einmal die Rezepte
gebacken zu haben. Denken sie sich diese Dinge am Schreibtisch aus, oder
schreiben sie woanders ab? Es klingt alles nett, verständlich, glatt - und
ich stehe dann in der Küche und muss verzweifeln. Ich habe recht gute Erfahrungen
im Brot backen, sowohl in der Theorie als in der Praxis und finde es daher
sehr eigenartig, dass andere Rezensenten behaupten, hier ließe sich alles
gut nachbacken.
Wie gesagt: Es liest sich alles so einfach.... Beim Lesen
ist es auch noch plausibel, und so war ich dann auch sehr angetan von der
ersten Lektüre. Stoffeinband, die Pseudo-handschriftlichen Notizen, das
ist alles hübsch gemacht. Hier nun ein praktisches Beispiel aus dem Buch,
das Filipponen-Brot, im Folgenden der Originaltext:
"500 g Weizenmehl, 500 g Roggenmehl, 1 Teelöffel Salz,
3/4 L Wasser, 1 Päckchen Hefe, 1 Tasse Sauerteig, 1 Teelöffel Zucker.
Mehl
und Salz in eine Schüssel geben und mit kochendem Wasser überbrühen. Brei
anrühren und abkühlen lassen. Hefe und Sauerteig mit Zucker anrühren und
zum Brühstück dazugeben. Gut durchkneten, warmstellen und gehenlassen. Erneut
durchkneten und zum Laib formen. Noch einmal gehenlassen und bei 180 bis
200 Grad 50 bis 60 Minuten backen"
Schon beim Lesen kamen mir so einige Zweifel:
- Wie soll das gehen mit 1 Teelöffel Salz??? Man rechnet in der
Regel 1 TL Salz auf 250 g Mehl. Da kann also schon etwas nicht stimmen.
Ich habe 4 TL Salz genommen, und das war immer noch ziemlich salzarm.
- Aha, das ganze Mehl wird als Brühstück verarbeitet. Aus meiner Lektüre
bisher kenne ich das nur so, dass ein Teil gebrüht, der andere Teil
normal eingearbeitet wird. Aber dies ist das Reizvolle an dem Rezept.
- Die Beschreibung liest sich einfach. Leider gibt es keine
Zeitangaben zum Kneten und Gehen lassen. Auch nicht eine Angabe, ob
sich der Teig beim Gehenlassen nur etwas vermehren oder verdoppeln soll.
Schwierig für einen Anfänger.
- Die Flüssigkeitsmenge könnte hinhauen, Faustregel 700 ml auf 1 kg
Mehl.
- Mengenangaben wie "1 Tasse" finde ich unbefriedigend.
Wenigstens hatte ich das theoretische Vorwort gelesen, in dem erwähnt
ist, dass 1 Tasse = ca. 250 g. Allerdings finde ich, dass ich auch Rezepte
nachbacken können muss, OHNE das ganze Buch zu lesen.
Nun zu den Fußfallen:
- MEHL UND SALZ IN EINE SCHÜSSEL GEBEN UND MIT KOCHENDEM WASSER ÜBERBRÜHEN.
BREI ANRÜHREN UND ABKÜHLEN LASSEN. Unterrühren? Brei? Das möchte ich
sehen! Sobald das Mehl mit dem Wasser in Berührung kommt, klumpt es
sich. Wenn ich versuche, das Mehl zu kneten, so geht das mit der Hand
nicht, denn es ist ja alles kochend heiß. Ich habe also erst einmal
mit dem Handrührgerät mit Knethaken gearbeitet, dann nochmals mit der
Hand. Das ist sehr schwierig, denn der Teig klebt fürchterlich wie Kleister
und ist dabei gleichzeitig recht fest.
- HEFE UND SAUERTEIG MIT ZUCKER ANRÜHREN. Das nächste Desaster: Die
Hefe löst sich natürlich nicht in dem Sauerteig. Es bleiben Klümpchen.
Ich habe schließlich auch hier das Handrührgerät mit den Knethaken genommen
und dann einen Teil des Brühteigs hinzugefügt.
- ZUM LAIB FORMEN. Das ist ein Witz. Dieser klebrig-feste Teig lässt
sich nicht "formen", ich würde völlig klebrige Hände bekommen,
einen Großteil Teig verschwenden oder die Hände so bemehlen müssen,
dass der Teig ungenießbar wird. Ich habe schließlich Backformen genommen.
Backen konnte ich dieses Brot nur, wegen meiner bereits vorhandenen Erfahrung.
Sonst hätte ich vermutlich verzweifelt den Teig weggeworfen oder vor einem
ungesalzen Klumpen gesessen.